Yosemite

Ich bin gestern wieder in Vancouver angekommen. Und habe jetzt mal ein wenig Zeit, meinen immer noch überfälligen Blogeintrag über den Yosemite National Park zu schreiben.

Unterwegs waren wir (Lars, Erik und ich) vom 9.6 bis zum 13.6, und haben insgesamt ungefähr 80 Kilometer zurückgelegt und über 5000 Höhenmeter überwunden. Der ursprüngliche Plan war, dass wir nur bis zu Red Peak Pass hoch wandern, und dann umkehren, da wir uns anfänglich in den Kilometern, die wir pro Tag schaffen, unterschätzt haben.
Aber jetzt zum Erlebten, wir sind montags früh von unserem Campingplatz aufgebrochen, fuhren ungefähr eine Stunde, bis zu den so genannten „Mono Meadows“. Dort packten wir alle Sachen, die wir nicht mitnehmen wollten und die in irgendeiner Weise riechen, in eine Bärenbox und überprüften, ob wir denn auch alles hatten. Dann wurde noch ein Teamfoto geschossen und los ging´s.
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Die ersten zehn Kilometer vergingen wie im Flug, waren jedoch relativ unspektakulär, da in dem Gebiet nichts als verbrannte Bäume und schwarzer Boden war. Ein paar neue Pflanzen fingen schon an zu wachsen. Man konnte aber eindeutig sehen, dass der Brant noch nicht so lange her gewesen sein konnte. Wir mussten mehrere Flüsse durchqueren und nach den eben genannten Metern, wurde es dann anstrengender, da es aber hier fast durchgehend anstieg. Als wir nach ungefähr sechs bis sieben Stunden an einer Kreuzung ankamen, wurde mir dann bewusst, dass wir sogar an dem See vorbei gelaufen waren, an dem ich an diesem Tag zu übernachten geplant hatte. Also wurde ein Blick auf die Karte geworfen und wir entfernten uns ein Stück vom Weg, um an dem höhergelegeneren See zu übernachten. Auf dem Weg zum See wurden wir uns kurz uneinig, ob wir wirklich da lang wollen oder nicht. Denn sobald wir den Weg verlassen hatten und in Richtung Wasser gingen, waren plötzlich über all Moskitos um uns herum. Der Platz den wir dann aber fanden war sehr exponiert und dadurch auch recht windig, so dass wir unsere Ruhe hatten, zumindest für den Abend.
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Day 1
Denn am nächsten Morgen war es windstill und dadurch unglaublich viele Moskitos um uns. Ich habe noch nie in meinem Leben so schnell ein Zelt abgebaut und ein Lager verlassen. Aber wir waren in drei Minuten fertig und wieder unterwegs. Dieser zweite Tag, von dem ich jetzt zu erzählen beginne, war mit Abstand der Anstrengendste, aber auch der, mit der besten Aussicht. Wir kletterten hoch bis auf knapp 4000 Meter. Was wir entgegen aller Erwartungen bis zum Mittag geschafft hatten. Von dort oben konnten wir im Westen, also in der Richtung aus der wir kamen, über die komplette Hochebene schauen, und den auf halber Höhe noch eingefrorenen See bewundern. Auf der Ost Seite hingegen, waren noch ungefähr 80 Zentimeter Schnee und man konnte noch andere Berge des Sierra Nevadas bewundern.
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Dort oben machten wir Mittagspause und besprachen das weitere Vorgehen. Wir hatten noch ungefähr drei volle Tage an Zeit und waren jetzt schon an unserem Ursprünglich angedachten Ziel. Also beschlossen wir, dass wir den ganzen Rundweg wandern würden. Als unsere Bäuche endlich wieder gefüllt und jeder einigermaßen erholt war, begann der Spaß! Wir mussten auf der Seite, die wie gesagt fast komplett mit Schnee war, runter. Übermütig, wie ich manchmal halt bin, sprang ich ohne viel nach zu denken immer ein Stück runter, landete im Schnee, und dann wieder. Es machte super viel Spaß, war aber, auch sehr gefährlich, wie ich dann merkte, als ich plötzlich merkte, dass unter mir Wasser rauscht! Passiert ist uns aber nichts.
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Das „Problem“ war nur, dass man den Weg nicht so einfach finden konnte, da er immer wieder im Schnee verschwand. Als wir dann die Schneegrenze hinter uns ließen, war es schon wieder Zeit sich einen Platz für die Nacht zu suchen, besonders da es aussah, als würde es jeden Moment zu gewittern beginnen. Wir bauten also alles schnell auf, und waren ziemlich früh in den Schlafsäcken, da wir alle sehr platt waren.
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Day 2
Gegen acht waren wir schon wieder auf, alles war gepackt und wir aßen Haferflocken mit Schokoladenstücken als Frühstück und machten uns dann weiter. Gegen elf Uhr stießen wir auf einen Fluss, den wir meiner damaligen Meinung nach nicht überquert haben sollten, und dachten somit wir wären zu weit. Da um uns herum mal wieder unglaublich viele Mücken waren, einigten wir uns, dass wir am Fluss entlang nach dem Weg suchen sollten. Für kurze Zeit fanden wir auch einen, der sich dann aber nur als Wildwechsel herausstellte. Also hatten wir tatsächlich den Weg verloren… Da wir aber eine geographische Karte dabei hatten, konnten wir mithilfe von GPS genau festlegen wo wir waren. Und zwar in einem Tal zu früh. Da wir aber keine Lust hatten jetzt wieder zurück zulaufen und auf dem eigentlichen Weg fortzufahren, beschlossen wir dem Fluss weiter zu folgen, um am Ende wieder auf den Weg zu stoßen. Wir wanderten also auf dem Berg den Fluss entlang, bis wir an eine Stelle kamen, die ziemlich verblockt war, und an der der Fluss tosend einen Abhang runter strömte. Als ob das nicht genug gewesen wäre, stießen wir, auf der Suche nach einer Möglichkeit, die Stelle zu umgehen, auf relativ frische Berglöwenspuren, was uns zu höchsten Vorsicht animierte. (Hierzu kurz angemerkt, der „Mountain Lion“ oder „Kuga“ steht in der Nahrungskette in Nord Amerika auf Platz Eins, noch vor dem Grizzlybären) Gott sei Dank, fanden wir einen Weg und machten uns so schnell es ging, zurück zum Weg. Ich hab hier leider fast keine Bilder, da ich in dem Moment mit was Anderem beschäfftigt war 😉
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Als wir dann abends unser Lager am „Washburn Lake“ aufschlugen, hatten wir schon drei Viertel unseres Weges hinter uns. Da wir wieder einen Ort gefunden hatten, an dem es sehr windig war, beschlossen Lars und ich, dass wir unter freiem Himmel schlafen  wollen. Der Sternehimmel war unglaublich schön, wenn auch erst gegen fünf Uhr morgens, als der Mond nicht mehr zu sehen war.
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Day 3
Am vierten Tag stießen wir das erste Mal wieder auf Menschen, wenn am Anfang nur sehr vereinzelt wurden es doch immer mehr, je näher wir Yosemite Valley kamen. Da ich aus irgendeinem Grund nach ungefähr 25 Kilometern Wandern, die wir fast durch powerten, tierische Rückenschmerzen bekam und wir Wasser auffüllen mussten, hielten wir am sogenannten „Liberty Camp“ an. Dort trafen wir Karl, der uns begeistert seinen gerade gefangenen Fisch zeigt und erklärte, dass jeder, der eine „Wilderness Permit“  (Also eine Erlaubnis tiefer in den National Park rein zu wandern) hatte, dort kostenlos zelten darf. Da wir wie gesagt relativ platt waren und eigentlich dachten, wir müssten aus der „no-camping-zone“ raus, waren wir mehr als erleichtert.
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Day 4
Freitags wollten wir dann relativ schnell raus. Und da die Reststrecke nur noch ungefähr sechs Kilometer betrag, machten wir uns einen Spaß daraus, mehr oder weniger, durch zulaufen. Was jetzt natürlich auf den ersten Blick mit über zehn Kilos auf dem Rücken super anstrengend klingt, aber echt cool war, da es durch gehen bergab ging und zwar ungefähr 1000 Meter. Unterwegs konnte man beobachten, wie sich durch die Wasserfälle eine so hohe Feuchtigkeit in der Luft entwickelt, dass man fast in jeder Richtung einen Regenbogen erkennen konnte.

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Day 5
Wir schafften die Strecke in übrigens einer knappen Stunde, nach der die erste Aufgabe darin bestand, eine Dusche zu finden und etwas zu essen. Nach dem wir das hinter uns waren ging es zu einem Campingplatz für den nur Leute vor und nach ihrem „Wilderness Trip“ zugelassen sind, also prinzipiell ein cooler Ort um sich mit anderen Backpackern auszutauschen. Was jetzt allerdings passierte war ziemlich spannend! Eine andere Truppe hatte gerade ihre Rucksäcke abgestellt und sich wieder auf den Weg zum Auto gemacht, als plötzlich ein Bär angelaufen kommt, sich einen der Rucksäcke schnappt und wegläuft! Zum Glück für den Besitzer, war genau in diesem Moment ein Park Ranger anwesend, der den Bären direkt mit seinem Paintballgewehr verfolgte, und nach ungefähr einer Stunde mit dem Rucksack wieder aus dem Wald kam! Der Ranger hatte übrigens nur Wasser in den Kugeln, meinte aber er hätte bestimmt 50 Kugeln abfeuern müssen, bis der Bär endlich von der Tasche abgelassen hätte. An dem Abend sahen wir noch ungefähr fünf andere Bären, die immer wieder versuchten Essen abzustauben, allerdings keinen angriffen und auch nur näher kamen, wenn kein Mensch da war. Und wir hatten auch noch Besuch von einem Luchs :)
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