Die Ersten Tage

Mittwoch:

Der Wecker klingelt um 5.00. Lars und ich sind allerdings schon seit etwa einer Stunde wach, da wir am Abend davor so früh schlafen waren und so langsam ein bisschen aufgeregt sind. Also die Dachtasche nochmal rauf, alles festzurren und los geht’s! Das Auto sieht ziemlich vollgepackt aus und wir sind im Nachhinein dann doch froh, dass wir nur zu dritt unterwegs sind.
Nach etwa 400 Kilometern, stellen wir dann fest, dass die Batterie, weshalb auch immer, nicht mehr richtig lädt, und wir hoffen einfach darauf, dass es ein Wackler oder einfach nur der Motor ist, der von dem ganzen rauf und runter zu heiß geworden ist. (Ja ich weiß im Nachhinein auch, dass das keinen Sinn ergibt…) Folglich fahren wir vom Highway ab und schauen uns den Motor an. Dumm nur, dass keiner von uns genug Ahnung hat, um wirklich zu sagen was jetzt nicht stimmt. Aus puren Optimismus heraus fahren wir wieder los, nur um festzustellen, dass die Batterie jetzt ganz leer ist. Zum Glück sind wir noch nicht auf dem Highway.  Wieder Motorhaube auf, und überlegt woran es liegt, allerdings waren die Vermutungen sehr vage, drehten sich aber tatsächlich alle um die Lichtmaschine. An dieser Stelle haben wir einfach nur Glück im Unglück, da jemand vorbeifährt und uns winken sieht und dann tatsächlich auch umdreht. Er versucht durch Überbrückung das Problem zu lösen, was allerdings nicht wirklich was bringt, da es wirklich die Lichtmaschine war, wie sich später herausstellte. Dafür bietet er uns an, einen von uns mit an die nächste Tankstelle zu nehmen und von dort aus einen Abschleppdienst zu rufen. Lars steigt ein und sie fahren los. Zurückgeblieben sind Charlie und ich, und wir überlegen, was wir denn jetzt die nächsten Stunden tun können, bis der Abschleppdienst da ist. Als erstes werden die Campingstühle ausgepackt und ein Kakao gekocht.
Das dauert allerdings, obwohl wir uns echt Zeit lassen nur etwa 30 Minuten und wir beschließen die Gegend mal zu erkunden.

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Etwa 150 Meter Luftlinie entfernt von unserem Auto finden wir dann einen riesigen See, mit dem wir beide überhaupt nicht gerechnet haben und sind total begeistert, wie schön es ist.
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Bei dem Versuch in der Sonne an diesem See zu relaxen, schaffe ich es allerdings überhaupt nicht zu entspannen, da die ganze Sache mit dem Auto echt an mir nagt, und wir gehen zurück.
Bald darauf war Lars dann mit dem Abschleppdienst da.
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Der uns dann etwa 50 Kilometern weiter nach Kamloops zu einer Autowerkstatt fährt. Die Stimmung hält sich echt in Grenzen, auch als der Chef der Werkstatt uns mitteilt, dass das alles ohne Probleme gehen müsste und sie unsere Abblendlichter noch mit reparieren würden, wird sie nicht besser sondern wir werden eher skeptisch.
(An dieser Stelle muss man erwähnen, dass wir einen GMC Envoy 1999 haben, in den so genannte HID-Lampen eingebaut sind, das ist sozusagen der Nachfolger der einfachen Halogenlampen, der es allerdings nie geschafft hat sich durchzusetzen – er wurde genau in zwei Jahrgängen benutzt – da man hier nicht einfach nur die Lampe austauschen kann, sondern auch immer den Adapter mit erneuern, was dann einfach mal so pro Lampe 800$+ kostet…)
Die Lichtmaschine ist dann natürlich trotzdem schnell repariert und von uns allen fällt ein Stein vom Herzen. Die Lampen stellen jedoch, wie erwartet, ein größeres Problem dar. Es gibt zwar die Möglichkeit, einfach zwei neue zu bestellen, dass würde dann aber wie gesagt teuer werden und zehn Tage dauern. Dass die Mechaniker alle sehr pragmatisch sind, ist uns schon aufgefallen, als sie dann aber die umliegenden Autofriedhöfe nach passenden Lampen durchsuchen, bin ich trotzdem überrascht. Nach insgesamt 3,5 Stunden ist dann tatsächlich alles geflickt, die Lampen sehen zwar nicht mehr 100% gleich aus, was uns allerdings nicht stört. Im Gegenteil wir sind echt froh, dass die Lampen endlich mal funktionieren. Was auch ab jetzt mehr als erforderlich ist, da in Kamloops so dichter Nebel ist, dass man nicht viel sehen kann…
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Der weitere Plan war, einfach solange zufahren, bis es dunkel wird, und uns dann einen Campingplatz suchen. Was nicht wirklich einfach ist, wenn jeder Campingplatz zu ist… Da es inzwischen jedoch echt spät und schon über eine Stunde dunkel ist, beschließen wir, einfach auf einem Geschlossenen zu campen. Die nächste Ausfahrt Richtung Camping wird also genommen und ab da beginnt das Abenteuer! Zunächst die Fahrt den Berg hinab durch den Nebel ins Nirgendwo, dann immer wieder Schilder die sagen: „You´re almost there“ (=Ihr/Du bist fast da) oder „It´s the destination“ (=Es ist die Richtung), die alles in allem nicht wirklich Vertrauenerweckend sind. Nach fünf Kilometern und einem Haufen solcher Schilder kommen wir endlich an. Der Nebel hängt tief und wir können nicht weit sehen, erkennen jedoch ein Haus, dass durch ein Stahlseil von dem Weg abgetrennt ist. Als wir die Taschenlampen auspacken, um uns das näher anzusehen, stellen wir fest, dass die Fenster und Türen zugenagelt sind und beschließen jetzt einfach auf einem freien Platz, der nicht wirklich schwer zu finden ist, da der Platz ja geschlossen ist, zu campen. Das Zelt steht recht schnell und wir setzten uns noch ein wenig zusammen um ein Bier zu trinken und den traumhaften Sternenhimmel, den man trotz des Nebels sehen kann, anzuschauen.
In der Nacht werde ich dann plötzlich wach und stelle fest, dass es richtig kalt geworden ist, suche mir noch eine weitere Decke zu meinem Schlafsack, die allerdings nicht wirklich reicht, dass mir richtig warm wird.

Donnerstag:
Am Nächsten Morgen wachen wir alle früh auf, da wir nicht wirklich schlafen konnten, wegen der enormen Kälte. Als erstes sind wir die Gegend erkunden, die noch nicht mal halb so gruselig aussieht wie am Abend davor, im Gegenteil wir haben an einem riesigen sehr schönen See gecampt, ohne es zu wissen. Der See, der übrigens Kinbasket Lake heißt,
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wird auch der Grund für die Kälte sein, wird uns in diesem Moment bewusst und wir machen uns auf um zu frühstücken und einen warmen Kakao zu trinken, wonach dann schnell wieder das Zelt abgebaut wird und weiter geht die Reise. Jedoch nicht, ohne dass wir uns wieder Sorgen machen müssen wegen des Autos… Die Zündung funktioniert nicht mehr beim ersten Versuch… Naja hoffentlich ist es nur die Zündkerze.
Die heutige Fahrt verlief auf jeden Fall ruhig und gemütlich mit einem wunderschönen Blick auf die Rockies.
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Gegen halb eins sind wir in Lake Louise
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und erkundigen uns, wo wir campen können, da keiner von uns Lust hat, wieder im Dunklen aufzubauen. Wir beschließen Backcountry Campen zu gehen, packen unsere Sachen und starten gegen halb vier, voll bepackt und top motiviert.
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Der Wanderweg ist auch wieder echt schön, führt an dem Johnston Creek entlang und immer wieder kommen uns Menschen entgegen.
Als wir nach etwa 5,1 Kilometer an den „Inkpots“ sind, sind wir das erste Mal wieder auf einer mehr oder weniger offenen Fläche und sehen Schnee auf der anderen Seite und Eis auf dem Wasser.
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Plötzlich wird uns bewusst, dass die Nacht sehr wahrscheinlich noch kälter wird, als die Nacht davor. Es geht noch etwa 3 Kilometer weiter, bis wir dann endlich den Campingplatz erreichen. Es ist schon fast dunkel und wir beeilen uns damit das Zelt aufzubauen und Feuerholz zu suchen. Das Erste ist schnell getan, das Zweite stellt sich als Herausforderung dar, da es ziemlich feucht ist und wir einfach kein wirklich trockenes Holz finden können, besonders da es inzwischen dunkel geworden ist.
Der Campingplatz besteht übrigens aus zehn Plätzen  für Zelte, einem Plumpsklo und ein paar Feuerstellen, die jeweils noch Stahlseile haben, damit man Essen und Müll hochziehen kann, damit die Bären nicht dran kommen können.
Abends wird es schnell kalt, besonders da es uns einfach nicht gelingen will, ein Feuer anzuzünden, und wir gehen früh schlafen. Eingepackt bis oben hin, also in zwei paar Strümpfen, Boxershorts, einem T-Shirt, einem Fleecepulli, einer Mütze und einer Decke liege ich in meinem Schlafsack und mir wird dann auch endlich warm und kann schlafen.

Freitag:

Wieder um neun Uhr wach, machen wir uns, wie anscheinend schon Tradition geworden, einen Kakao, jedoch will das Wasser nicht richtig warm werden, da die Gaskartusche fast leer ist. Die Marmelade für unser Brot ist gefroren und ich bin beim Wasserholen ausgerutscht und mit dem Fuß ins Wasser, meine Schuhe sind tatsächlich FAST wasserfest. Ich muss die ganz dringend mal imprägnieren.
Trotz all dem ist es einfach unglaublich, nichts als das Rauschen des Waldes und des Wassers  zu hören und die Berge um sich herum zu sehen.
Gegen zwölf Uhr haben wir alles wieder eingeräumt und in die Taschen gepackt und machen uns auf den Rückweg. Allerdings stoppen wir bald wieder, da wir noch nichts gegessen haben (wie gesagt, die Marmelade war gefroren…) und machen uns ein gemütliches Frühstück in der Sonne.
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Nach dem Frühstück geht es dann im Laufschritt zurück zum Parkplatz. Unterwegs begegnen uns immer wieder Menschen und wir werden häufiger gefragt, wo wir denn herkommen, oder, ob wir wirklich da oben gecampt haben. Am Auto angekommen wird alles mal wieder sortiert und verstaut, und der Müll entsorgt.
Endlich geht es dann weiter zu unserem Tagesziel von Mittwoch: Banff. Da Banff nur noch 30 Kilometer weiter ist, fahren wir ganz gemütlich über die Landstraße, die sich zwischen den Wäldern und Bergen hindurch schlängelt. Gegen fünf Uhr kommen wir an und müssen als erstes feststellen, dass sowohl das SameSun Hostel sowie das International Hostel ausgebucht sind. Bekommen jedoch eine Empfehlung für ein Hotel in der Nähe, das „Inns of Banff“, wo wir uns dann auch ein Zimmer mieten.
Das Zimmer ist geräumig und hat zwei Queensize Betten, des Weiteren hat das Hotel einen Outdoor  Whirlpool. Der dann natürlich nach dem Essen ausgetestet werden musste.
Und jetzt liege ich in meinem Bett. Entspannt, gut gelaunt, und voller Vorfreude, was morgen noch so kommen mag!

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